SV-Schloßberg Stephanskirchen

.

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern

Interview Patrick Steinberger

Der SVS unterstützt das Projekt „FELS“

Im Spätherbst 2014 war SVS-Fußballjugendleiter Patrick Steinberger für ca. einen Monat in Tansania und hat dort ein Schul- und Sportprojekt unterstützt. Über seine Erfahrungen stand er für ein Interview zur Verfügung:

Was hat dich bewogen, das Projekt „FELS“ zu unterstützen?

Die Idee dazu entstand sehr kurzfristig. Eigentlich ist unterstützen auch nicht das ganz richtige Wort. Das heutige FELS-Project hat damals noch gar nicht existiert. Aber alles der Reihe nach. Unser ehemaliger SVS-Jugendtrainer Janis Sepper, hatte mir bereits im Sommer davon erzählt nach Tansania zu gehen um dort den Fußballsport und die Bildung vor Ort zu verbessern. Als ich ihn dann Anfang November kontaktierte, da der SV Schloßberg ihn finanziell unterstützen wollte, erzählt er mir von der Idee ein neues Projekt zu gründen. Fehlen würde allerdings weitere Hilfe vor Ort. Nun ja und 14 Tage später bin ich mit einigem Fußball-Material ausgestattet in München in den Flieger gestiegen und habe bei Gründung und Etablierung des Projektes mitgeholfen.

Was waren deine ersten Eindrücke in Tansania?

Ich habe, um in der langen Zeit die Übersicht zu behalten, ein Tagebuch vor Ort geführt. Im ersten Eintrag vom Tag meiner Landung in Tansania steht dort: "Bereits dieser erste Tag war es wert hier her zu kommen." Die Natur aus dem Flieger zu sehen ist schon etwas ganz Besonderes, und nicht mit unserer Landschaft zu vergleichen. Auf der einen Seite trockene Wüste, und ein paar Meter weiter der Kilimandscharo, mit einem eisigen Gletscher. Das Gefühl ist schwer zu beschreiben, aber etwas ganz Besonderes und auch Bewegendes. In Mwanza ging es dann erst einmal in unser Freiwilligenhaus, das direkt an einem Waisenhaus gelegen ist. Die unglaublich einfache Ausstattung, nur ein Bett und sonst nichts, gibt einem bei deutschem Luxus schon zu denken. Danach ging es noch, in einem vollkommen überfüllten Kleinbus, in das ca. 15 Minuten entfernte Zentrum von Mwanza, wo einem zuerst der viele Müll auf den schlechten Straßen auffällt.

Welchen Menschen bist Du begegnet ?

Da wir ja erst ganz am Anfang des Projektes standen, haben wir sehr viele Kontakte herstellen müssen. In der Stadtverwaltung lernten wir die Bauleiter der Stadt kennen, die uns bei der Verbesserung, bzw. in einigen Fällen überhaupt erst Erstellung, der Sportplätze zur Verfügung standen. Mit den Akademieverantwortlichen gab es intensive Gespräche, ebenfalls mit den Schulleitern um Erfahrungen für den englisch Unterricht zu sammeln. Auch mit dem Trainer und Manager des einzigen 1.Liga Vereins in Mwanza hatten wir intensiven Kontakt. Außerdem hatten wir natürliche ausführliche Gespräche mit unserem Partner vor Ort, Rogasian Kaijage, der beim tansanischen Fußball-Verband arbeitet.

Was genau ist das FELS-Project eigentlich?

Das ist tatsächlich gar nicht so einfach zu erklären. FELS steht für die 3 Säulen unseres ehrenamtlichen sozialen Projektes. Football, Education und Life Skills, also Fußball, Bildung und Wertevermittlung. 3 Themen die auf den ersten Blick ziemlich breit gefächert sind. Der Fußball soll dafür sorgen eine Bindung zu den Kindern herzustellen, und sie in ihrem Hobby zu unterstützen. Auf dieser Grundlage sollen den Kindern im Training dann durch spezielle Workshops, aber auch durch den täglichen Umgang miteinander, im Training Werte wie Pünktlichkeit und Teamgeist vermittelt werden. Dazu kommt dann noch der eigentliche Hauptteil des Projektes, der Englischunterricht. Das tansanische Schulsystem ist aus unserer Sicht sehr schwierig für die Kinder. Die Grundschulen unterrichten auf Suaheli, der Landes- und Muttersprache der Schüler. Alle weiterführenden Schulen halten ihren Unterricht dann allerdings auf Englisch, einer Sprache die die meisten Schüler nicht sprechen. Daraus resultierend, scheitern die Schüler oftmals nur an der Fremdsprache Englisch und schaffen es dadurch nicht einen Abschluss zu erreichen. Aus dieser Problematik ergeben sich hohe Jugendarbeitslosigkeiten und Armut. Deshalb ist der zusätzliche Englischunterricht der hauptsächliche Ansatzpunkt unseres Projektes.

Was ist deine Rolle in dem Projekt?

Ich bin einer von 7 Gründern des FELS Projects. Natürlich hat davon jeder ein festes Aufgabengebiet. Durch meine langjährige sportliche Erfahrung, sowohl als Trainer, als auch als Funktionär beim SV Schloßberg, sowie im DFB Talentförderungsprogramm habe ich den sportlichen Teil des Projektes geleitet. Wir haben sportliche Strukturen wie feste Trainingsgruppen und -zeiten festgelegt, sportliche Konzepte erarbeitet und ich habe Trainerschulungen vor Ort für die tansanischen Trainer gehalten. Dazu gab es einen großen Torhüter-Tag, mit Praxis- und Theorieeinheiten.

Was hast Du den Kindern beigebracht ?

Die Arbeit mit den Kindern in einer völlig fremden Sprache ist am Anfang natürlich nicht ganz einfach. Die meisten Kinder sprechen nur ein paar Brocken Englisch, den Rest muss man dann mit Händen und Füßen und natürlich viel Vormachen erklären. Ich hatte vor meiner Reise wirklich Bedenken, ob man dort kompliziertere Übungen umsetzen kann. Aber die Jungen und Mädchen haben einen unglaublichen Ehrgeiz und saugen alles auf. Deshalb hat das Training und die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen wirklich toll funktioniert und war auch für mich eine grandiose Erfahrung.

Was hast Du den Kindern mitgebracht ?

Wir haben vom SV Schloßberg aus beschlossen die Situation vor Ort zu verbessern. Ich konnte 18 Bälle sowie 6 Sätze Leibchen mit nach Tansania nehmen und damit eine kleine Grundausstattung für die Vereine stellen. Bereits zuvor hatten unsere SVS Jungs mit unglaublichem Eifer gebrauchte Schuhe gesammelt. Nach und nach konnten wir diese auch nach Tansania bringen, und den Kindern vor Ort zur Verfügung stellen.

Was können wir in Stephanskirchen für das Projekt tun ?

Ein soziales Hilfsprojekt ist natürlich immer auf Spenden angewiesen. Bereits ein kleiner Geldbetrag kann in Mwanza schon Großes bewegen. Wir erleben aktuell ja eine unglaubliche Flüchtlingswelle von Afrika aus in Richtung Europa. Menschen die auf Grund von Hunger, Armut und Krieg aus ihrer Heimat vertrieben werden und bei uns Zuflucht suchen müssen. Das FELS-Project versucht den Menschen in Mwanza zu helfen, ihnen eine gute Schulausbildung zu ermöglichen um ihnen eine Zukunft in ihrer Heimat zu geben. Auch Materialspenden können dabei zu jeder Zeit helfen. Über gebrauchte Fußballschuhe und Sportkleidung freuen sich die Kinder vor Ort natürlich sehr. Zudem soll jeder Akademie ein Laptop und ein Drucker durch Sachspenden zur Verfügung gestellt werden.

Wer ist noch Mitglied in dem Projekt ?

Die 7 Gründungsmitglieder sind weiterhin für das Projekt engagiert. Neben mir sind das der tansanische Leiter Rogasian Kaijage (Mwanza), die deutsche Leitung hat Jürgen Seitz (Frankfurt) inne. Dazu kommt der dänische Fachmann Nicklas Schuman (Kopenhagen). Das Projekt vor Ort etabliert haben Janis Sepper (Stephanskirchen) und Mergim Avdyli (Heilbronn). Und das Marketing leitet Dennis Schlesinger (Karlsruhe). Nur durch ein solch großes, und zum Teil auch schon in der Entwicklungsarbeit erfahrenes, Team kann ein Projekt mit einem derartigen Arbeitsumfang geleitet werden.

Mit welchen Erfahrungen und Eindrücken bist Du heimgekommen ?

Mit unglaublich tollen Erfahrungen und einigen kuriosen Geschichten. Allein was man auf einer Reise über mehrere afrikanische Flughäfen so alles erlebt. Die einfachen Lebensverhältnisse, Menschen die ohne Strom und fließendes Wasser leben, das sind schon Eindrücke die für immer bleiben werden und die meine Sichtweise auf einige Dinge sicher etwas verändert haben. Das was wir hier für gegeben betrachten, am Morgen das Licht anzuschalten und duschen zu gehen, davon können viele Menschen in Mwanza nur träumen. Armut, Hunger, Ghettos und viele verschiedene Krankheiten, das ist in Tansania an der Tagesordnung. Wie man den Kindern dort mit einer Kleinigkeit zu Essen oder ein paar gebrauchten Fußballschuhen aus Europa ein riesige Freude machen kann lässt einen schon Nachdenken.

Würdest Du es wieder machen ?

Auf jeden Fall und jeder Zeit. Ich habe schon viele Urlaube gemacht. Am Strand gelegen und mit anderen Touristen zusammen Sehenswürdigkeiten bestaunt. Aber eine Erfahrung wie Tansania ist etwas ganz besonderes. Eine neue, so andersartige Kultur kennen zu lernen und dieser enge Kontakt zu den Einheimischen, verbunden mit dem sozialen Hintergrund und meinem Hobby, dem Fußballsport, machen die Zeit zu etwas ganz Besonderem. Ich hatte schon öfter über ein soziales Engagement in Afrika nachgedacht. Aber so wirklich den Schritt zu wagen habe ich mich doch nicht so ganz getraut. Bis diese einmalige Chance kam, ein Projekt mitzugründen und zu gestalten. Da war nicht viel Zeit zum Nachdenken. Und ich habe es nie bereut, ich will auf jeden Fall nach Mwanza zurückkommen und sehen was unser Projekt geschafft hat.

Wie war das Wetter ?

In der Zeit meines Aufenthaltes war eine Regenzeit. Das klingt aber weitaus extremer als man es sich vorstellt. In Wirklichkeit bedeutet das nicht mehr, als alle paar Tage mal eine Stunde Regenschauer. Ansonsten liegt Mwanza direkt am Viktoriasee und ist daher etwas kühler für afrikanische Verhältnisse, was ungefähr 30 °C am Tag bedeutet.

Was gab es zu essen ?

Das Essen in Tansania fällt natürlich sehr einfach aus. Viel Reis, manchmal trocken sonst entweder mit einer Gemüsesoße oder mit etwas Fleisch, ist das gängige Essen. Außerdem gibt es Chips Mayai, ein Kartoffelomlett. Zum Frühstück gibt es auch wenig Abwechslung, Mandazi (frittierte Teigbällchen) und Chapati (ursprünglich indisches Fladenbrot auf Mehr/Wasser Basis). Grundsätzlich ist das tansanische Essen sehr fettig.

Was hat Dir am meisten Spaß gemacht in der Zeit ?

Das kann man bei so vielen unterschiedlichen Aufgaben kaum sagen. Der Kontakt zu den Einheimischen ist sicher eine tolle Sache. Aber auch die Strukturen für eine hoffentlich erfolgreiche Zukunft des Projektes zu legen ist eine einmalige Aufgabe. Grundsätzlich gibt es rückblickend nichts was mir keinen Spaß gemacht hat.

Wo gibt es weitere Informationen zum Projekt „FELS“ ?

Wenn weiteres Interesse am FELS-Project besteht kann man sich auf www.felsproject.org über viele weitere Themen des Projektes informieren. Dort kann man die ersten Meilensteine begutachten und sich über die Konzepte genauer informieren. Auch die verschiedenen Möglichkeiten das Projekt durch Geld- und Sachspenden zu unterstützen findet man hier. Außerdem haben wir eine FELS-Project Facebook-Seite, auf der man viele Informationen, wie beispielsweise einen monatlichen Newsletter, findet.

Wie sieht dir Zukunft des Projektes aus?

Aktuell ist das Projekt gut ausgerichtet und etabliert. Die Kontakte sind hergestellt. Vor Ort befindet sich seit ein paar Wochen kein Freiwilliger mehr. Aktuell arbeiten wir daran neue Freiwillige zu finden die ab Sommer wieder das Projekt vor Ort unterstützen. Dabei stößt unser Angebot auf großes Interesse und wir haben eine Vielzahl an Bewerbern. Dazu wollen wir bald unsere Strukturen vor Ort verbessern um mit unserem Sportprogramm noch mehr Kinder zu erreichen.

Aktuelle Beiträge >>

Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 17. Juli 2015 um 12:07 Uhr  

Suchen

Online

Wir haben 46 Gäste online

MONTANA SVS Tarifrechner